Weißkranich
Kritik
durch den NABU Seelze

Kritik an Erhaltungs- und Entwicklungsplänen (E+E-Plänen) für Flächen der Niedersächsischen Landesforsten (NLF) in Natura-2000-Gebieten

Die E+E-Pläne (früher Managementpläne) der NLF und die davon abgeleitete Bewirtschaftung weisen eine Reihe grundlegender Defizite auf. Dies gilt trotz vieler unbestreitbar sehr für den Naturschutz engagierter Planbearbeiter, Revierförster und Funktionsbeamter, so dass die Ursachen offensichtlich in landesweit vorgegebenen Rahmenbedingungen liegen.

Bearbeitungsgebiete

In den E+E-Plänen der NLF werden nur die Flächen im Eigentum der Landes-forsten bearbeitet. Wenn nur Teilflächen im Landesbesitz sind, bieten die Pläne deshalb keine Grundlage zur Zustandsbeurteilung und Maßnahmenplanung im ganzen FFH-Gebiet. Es werden keine E+E-Pläne für europäische Vogelschutzgebiete erstellt.

Verfahren

Es erfolgt keine Beteiligung und Information von Öffentlichkeit und Nutzergruppen, wie sie EU-Kommission und Bundesamt für Naturschutz fordern. Trotz gesetzlicher Mitwirkungsrechte (§ 63 Abs. 2 Nr. 3 BNatSchG) werden Naturschutzverbände bei der Aufstellung von E+E-Plänen nicht beteiligt.

Zustandsbeschreibung und -bewertung

Lebensraumtypen

Die Bewertung des Erhaltungszustandes der FFH-Lebensraumtypen (LRT) ist vielfach nicht nachvollziehbar anhand der Bewertungsmatrix dargestellt. Dabei fehlen Teilbewertungen ganz oder sind unvollständig, vor allem in Hinblick auf typische Beeinträchtigungen durch forstliche Nutzungen (z.B. „Bodenverdichtung“, „Beeinträchtigung der Struktur durch Holzeinschläge“). Wo die NLF nicht beabsichtigt, Eichenwald-LRT langfristig zu erhalten, werden diese als Buchenwald-LRT kartiert. Dadurch werden Bewirtschaftungsabsichten des Eigentümers unzulässig mit der Zustandsbeschreibung vermischt.

Arten

Eine Erfassung von FFH-Anhang-II-Arten, für die das Gebiet ausgewiesen wurde, erfolgt nahezu nie, so dass Kernaufgaben des E+E-Plans nicht erfüllt werden können. Die charakteristischen Arten der LRT werden nicht benannt. Eine Erfassung besonders geschützter Tierarten fehlt fast immer. Von gefährdeten Pflanzen- und Tierarten finden allenfalls Zufallserfassungen statt.

Entwicklungsanalyse

Bei der Analyse der bisherigen Entwicklung im FFH-Gebiet wird ausschließlich der Zeitraum seit letzter Forsteinrichtung betrachtet. Relevant, vor allem auch in Hinblick auf die Wiederherstellungspflicht, ist aber der Zeitraum seit 1995, weil ab hier das Verschlechterungsverbot gilt. Eine Darstellung der bisherigen Entwicklung der einzelnen Altersklassen anhand von Flächen oder Holzvorräten fehlt überwiegend, so dass etwaige Verluste bei den Altholzbeständen nicht erkennbar werden.

Planung

Allgemeines

Es werden keine Maßnahmen zu Verbesserungen im FFH-Gebiet geplant, wenn der Erhaltungszustand aktuell gut ist (Wertstufe B). Das Ziel, einen günstigen Erhaltungszustand zu erreichen gilt aber für die Gesamtsituation im natürlichen Verbreitungsgebiet, also innerhalb und außerhalb der FFH-Gebiete (Art. 3 Abs. 1 FFH-RL), was bei einem ungünstigen Erhaltungszustand in der biogeographischen Region eine Aufwertung in den FFH-Gebieten voraussetzt. Ein ungünstiger Erhaltungszustand liegt bei den Wald-LRT in Niedersachsen ausnahmslos vor. Außerdem dürfen sich die Landesforsten nicht auf das gesetzliche Minimum zurückziehen, weil auf Grundflächen der öffentlichen Hand Naturschutzziele in besonderer Weise berücksichtigt werden müssen (§ 2 Abs. 4 BNatSchG). Die Planungsziele berücksichtigen unzureichend das Verschlechterungsverbot, weil negative Entwicklungen seit 1995, die revidiert werden müssen, unberücksichtigt geblieben sind. Verstöße gegen das Verschlechterungsverbot liegen außerdem vor, weil in den Planungszielen Verschlechterungen bei einzelnen Teilkriterien zugelassen werden, so lange sich die Gesamtbewertung nicht um eine Stufe verschlechtert. Akzeptiert werden auch Verschlechterungen bei einem Teilkriterium, die sich innerhalb einer Bewertungsstufe bewegen. Tatsächlich darf die Bewirtschaftung aber für einen LRT oder eine FFH-Anhang-II-Art im FFH-Gebiet im Einrichtungs-zeitraum insgesamt überhaupt keine negative Entwicklung bei einem Bewer-tungskriterium bewirken. Den in den E+E-Plänen aufgeführten Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen fehlt die nötige Bestimmtheit. Es wird nicht deutlich, welche Maßnahmen verbindlich und welche nur wünschenswert sind, es fehlen Umsetzungsfristen und die Maßnahmen sind oft nicht hinreichend konkret und lokalisierbar in Text und Karte dargestellt. Es geht nicht hinreichend aus den E+E-Plänen hervor, welche Maßnahmen von den NLF finanziert werden müssen („LÖWE-Standard“) und für welche Maßnahmen Naturschutzmittel einschließlich Mitteln für Kompensationsmaßnahmen heranzuziehen sind.

Lebensraumtypen

Die Planung sieht mehrfach vor, Eichen-LRT langfristig nicht zu erhalten und damit den Erhaltungszustand des LRT im FFH-Gebiet durch Flächenverkleinerung zu verschlechtern. Es wird in der Regel nicht offengelegt, wie sich die Flächenanteile und Holzvorräte der Altholzbestände durch die geplanten Einschläge verändern. Teilweise wird trotzdem deutlich, dass die Altholzbestände vermindert werden. Da die naturschutzfachlich wertvolle Altersphase in bewirtschafteten Wäldern allgemein gegenüber natürlichen Wäldern unterrepräsentiert ist, stellt es einen Verstoß gegen das Verschlechterungsverbot dar, wenn diese Waldentwicklungsphase im Einrichtungszeitraum nutzungsbedingte Einbußen erleiden wird. Ein ausreichender Bestand an lebenden Habitatbäumen (u.a. sehr starke Altbäume und Höhlenbäume) wird durch die E+E-Pläne in der Regel nicht gewährleistet. In einem wesentlichen Teil der Gebiete ist die Ausstattung mit Habitatbäumen im Ist-Zustand ungünstig (< 3 Stück/ha = Kriterium für Erhaltungszustand C). Das bedeutet, dass diese Werte verbessert werden müssen (lt. E+E-Plänen auf mindestens 3 Stück/ha = B, tatsächlich aber auf mindestens 6 Stück/ha = A, s.o.). Dafür müssten Altbäume, die den Kriterien für sehr starkes Altholz (> 80 cm Stammdurchmesser bei den Hauptbaumarten) am nächsten kommen, aus der Nutzung genommen werden, bis der notwendige Wert erreicht ist. Dies muss auch für diejenigen E+E-Pläne gelten, bei denen der Ist-Bestand der Habitatbäume gar nicht ermittelt wurde. Tatsächlich sehen die E+E-Pläne aber in keinem Fall die generelle Aussetzung der Zielstärkennutzungen vor.

Habitatbäume werden laut E+E-Plänen überwiegend als Habitatbaumgruppen gesichert. Die Unterlagen der Forsteinrichtung, aus denen entnommen werden kann, ob dazu, wie es zu fordern wäre, die ältesten und geeignetsten Bestände gewählt werden, bekommt die UNB nicht vorgelegt. Es lassen sich aber Beispiele zeigen, wo die Habitatbaumgruppen in Bereichen ausgewiesen werden, die noch lange nicht zur Nutzung anstehen, während die geeignetsten „hiebreifen“ Bestände im Einrichtungszeitraum in die Endnutzung gehen sollen.

Die E+E-Pläne enthalten regelmäßig eine Bilanz nach dem Habitatbaumkonzept des LÖWE-Erlasses. Die Definition von Habitatbäumen nach LÖWE unterscheidet sich grundlegend von der hier maßgeblichen Definition der FFH-Bewertungsmatrix, da nach LÖWE jeder beliebige Baum als Habitatbaum gewertet werden kann, sogar Jungbäume ohne besondere Strukturmerkmale. Des Weiteren umfasst die LÖWE-Habitatbaum-Definition im Gegensatz zur FFH-Bewertungsmatrix auch die Totholzbäume. Außerdem wird nach LÖWE die Zahl der Habitatbäume nicht pro Hektar LRT, sondern pro Hektar älterer Bestände gewertet, was zum widersinnigen Ergebnis führt, dass die Habitatbaumzahl sich verbessert, je mehr Altbestände durch Endnutzungen verloren gehen. In manchen E+E-Plänen wird mit der Gegenrechnung nach dem LÖWE-Habitatbaumkonzept suggeriert, dass genug Habitatbäume gesichert sind, obwohl das nicht zutrifft.

Soweit die E+E-Pläne Defizite bei der Ausweisung von Habitatbäumen und Habitatbaumgruppen feststellen, heißt es in der Regel, dass diese Ausweisungen von den Revierförstern in Absprache mit der Funktionsstelle Waldökologie und Naturschutz nachgeholt werden sollen. Der E+E-Plan verliert hier aber seinen Sinn, wenn diese wichtige Schutzmaßnahme nur „weitergereicht“ wird. Zumindest die Habitatbaumgruppen müssten im E+E-Plan und der Forsteinrichtung vollständig und verbindlich benannt werden.

Für die Ausweisung von Habitatbäumen und -baumgruppen wird in keinem Fall eine zeitnahe Frist gesetzt, sondern sie soll gewöhnlich in den nächsten 10 Jahren vor Beginn der Endnutzungsmaßnahmen bzw. vor beginnender Ziel-stärkennutzung geschehen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Ausweisung bereits seit langem hätte stattfinden müssen (erster LÖWE-Erlass 1994, Verschlechterungsverbot in potentiellen FFH-Gebieten seit 1995, NLF-Habitatbaum-merkblatt 2000), dass aber wegen offenbar anders vorgegebener Prioritäten ein erheblicher Verzug besteht. Eine Ausweisung erst bei Endnutzung bzw. Zielstärkennutzung kommt zu spät, weil geeignete Bäume auch schon bei Durchforstungen verloren gehen und weil die Habitatbäume frühzeitig bei der Bestandspflege gefördert bzw. auf den Freistand vorbereitet werden müssen.

Generell fehlt es bei den bereits bestehenden Ausweisungen von Habitatbäumen und baumgruppen an Eindeutigkeit und Transparenz. Im E+E-Plan sind die Bäume und Baumgruppen nicht flächengenau in den Maßnahmenkarten („WBK-Standardmaßnahmen“) dargestellt. Ihre angegebene Lage weicht in Maßnahmenkarte, Maßnahmentabelle und Flächenliste des Habitatbaumkonzepts verschiedentlich erheblich voneinander ab, so dass unklar ist, welche der widersprüchlichen Festlegungen gelten. Im Gelände fehlt eine verbindliche landesweit einheitliche Markierung für Habitatbäume. Habitatbaumgruppen werden offenbar gar nicht markiert. Daher können ausgewiesene Habitatbäume vom Forstbetrieb versehentlich gefällt werden. Für die UNB ist wegen der unzureichenden Transparenz nicht nachvollziehbar, ob die Vorgaben eingehalten werden.

Ähnlich wie bei den Habitatbäumen müssten bei dem häufig vorhandenen Mangel an starkem Totholz Anwärter für Totholzbäume und totholzreiche Uraltbäume frühzeitig gesichert werden, was ein Aussetzen der Zielstärkennutzung bis zum Erreichen der Mindestwerte (> 3 stehende und liegende Stämme pro ha = A) bedeuten würde. Dies ist aber in keinem der vorliegenden E+E-Pläne vorgesehen. Eine erhebliche Beeinträchtigung aller Wald-LRT sind Großschirmschläge bzw. großflächige Zielstärkennutzungen sowie Kahlschläge. Eine Auflichtung von über

50 % der Baumholzbestände stellt laut FFH-Bewertungsmatrix ein Kriterium für einen ungünstigen Erhaltungszustand dar. Auch eine Bewirtschaftung mit kleinen bis mittelgroßen Schirmschlägen ist nach der Matrix noch als Beeinträchtigung zu werten. Die Mehrzahl der Landeswaldgesetze definiert eine Absenkung des Holzvorrats auf 40, 50 oder 60 % des normalen Ertragstafelvorrats als Kahlschlag. Kahlschläge in naturnahen Wäldern sind ein Verstoß gegen die gute fachliche Praxis (§ 5 Abs. 3 BNatSchG). Nach den Vollzugshinweisen des NLWKN für die Buchenwald-LRT sollen in Altbeständen lange Nutzungs- und Verjüngungszeiträume eingehalten werden und die Nutzung sollte ausschließlich über Einzelstamm- und Femelhiebe stattfinden. Großschirmschläge sind danach eine Gefährdung für den günstigen Erhaltungszustand, weil sie in der nächsten Waldgeneration wieder zu Altersklassenbeständen führen, die auf der Fläche verbleibenden Überhälter aufgrund der Freistellung und des Windwurfrisikos oft vorzeitig absterben und die Krautschicht durch Störungszeiger und später durch gleichmäßig dichten Buchenjungwuchs beeinträchtigt wird. Trotz dieser Vorgaben finden in FFH-Gebieten mit Buchenaltbeständen in erheblichem Umfang Großschirmschläge bzw. großflächige Zielstärkennutzungen statt. In den E+E-Plänen erfolgt auch auf der Ebene der Planung keine konkrete Aussage über die vorgesehene Art des Holzeinschlags, den geplanten Grad der Auflichtung und den sich daraus ergebenden zukünftigen Erhaltungszustand.

Zur Verjüngung von Eichenwald-LRT sehen die E+E-Pläne entsprechend dem NLF-Eichenmerkblatt von 2008 Kleinkahlschläge von 0,5 ha bis 1 ha Größe vor. Noch der LÖWE-Erlass von 1994 und das NLF-Eichenmerkblatt von 1997 forderten eine Vermeidung von Kahlschlägen und sahen maximal Femelschläge von 0,1 bis 0,3 ha Größe vor. Dies entspricht auch den Vorgaben anspruchsvoller Richtlinien zur ökologischen Waldzertifizierung (FSC-Deutschland, Naturland). Soweit die Abkehr von der früheren kahlschlagfreien Bewirtschaftung überhaupt begründet wird, werden wirtschaftliche Gründe genannt. Zwar ist der Aufwand für Bestandspflege zugunsten der Eiche und für Zäunung sicherlich etwas größer, wenn die Flächen klein sind. Kosten dürfen hier aber nicht allein ausschlaggebend sein. Es ist nicht nachvollziehbar, dass eine naturverträgliche Bewirtschaf¬tung, die vor wenigen Jahren noch flächendeckend in den Landesforsten Standard war, nun aus Kostengründen nicht einmal in FFH-Gebieten, also den wertvollsten Wäldern, möglich sein soll. Außerdem bestehen zur Zäunung auch Alternativen (u.a. verstärkte Schalenwildbejagung, Einzelbaumschutz oder Verwendung von Großpflanzen bei Verringerung der Pflanzenzahlen).

Nach dem NLF-Eichenmerkblatt 2008 sind im Rahmen der Managementplanungen für Natura-2000-Gebiete der Umfang und die Bestände, in denen Kleinkahlschläge geplant sind, mit der Naturschutzverwaltung abzustimmen. Entsprechend konkrete Angaben zu den geplanten Kleinkahlschlägen fehlen aber in den E+E-Plänen in der Regel. In einem großen Teil der FFH-Gebiete sind private Brennholzwerber zugelassen. Die Waldlebensräume werden durch Betreten, Befahren und Sägearbeiten, teils auch in der Vegetationszeit, belastet. Mitten in den Wäldern mit Plastikplanen abgedeckte Brennholzlager sind verbreitet. Die Zulassung von Selbstwerbern steht dem Ziel entgegen, mehr Totholz im Wald anzureichern. Nach dem NLF-Merkblatt zu Habitatbäumen und Totholz soll in ökologisch sensiblen Beständen und geschützten Biotopen möglichst keine Brennholz-Selbstwerbung stattfinden. Dies muss in einem FFH-Gebiet in jedem Fall gelten. In den E+E-Plänen wird private Brennholzwerbung als Beeinträchtigung aber nicht angesprochen und erst recht nicht untersagt. Nach den Vollzugshinweisen des NLWKN sollen keine Holzeinschläge und Rückemaßnahmen im Zeitraum März bis Juli stattfinden. Trotzdem kommen solche Praktiken nicht selten vor. In den E+E-Plänen wird auf diesen Punkt nicht eingegangen. Die Neuanpflanzung nicht standortheimischer Baumarten in FFH-Gebieten wird in den E+E-Plänen im Allgemeinen nicht explizit ausgeschlossen. In mehreren Fällen finden solche Anpflanzungen auch immer noch statt. Die Bodenverdichtung durch Befahren stellt, auch nach den Vollzugshinweisen des NLWKN, eine erhebliche Gefährdung der Wald-LRT dar.

In vielen FFH-Gebieten beträgt der Abstand zwischen den Rückegassen nur 20 m oder weniger. Dies ist die Arbeitsbreite moderner Holzerntemaschinen (Harvester). Damit wird ein Flächenanteil von 20 % dauerhaft befahren und geschädigt. Eine Bodenverdichtung mit Veränderung der Krautschicht auf mehr als 10 % der Fläche ist nach der FFH-Bewertungsmatrix als starke Beeinträchtigung des Lebensraumtyps zu werten. Nach den Vollzugshinweisen des NLWKN sollen auf von Verdichtung gefährdeten Lehm- und Lössböden die Rückegassen einen Abstand von mindestens 40 m haben. Nach dem NLF-Merkblatt zur Bestandesfeinerschließung soll bei jungen Laubwaldbeständen ein Gassenabstand von 25 bis 30 m nicht unterschritten werden. Ab mittelalten Beständen sei im Interesse der Bestandessicherheit ein Abstand von 40 bis 60 m anzustreben. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass damit die gute fachliche Praxis in allen Wäldern beschrieben ist und in FFH-Gebieten erhöhte Anforderungen zu stellen sind. In den E+E-Plänen werden im Allgemeinen die vorhandenen Beeinträchtigungen durch übermäßige Erschließungen weder beschrieben noch durch Auflagen eingeschränkt. Ebenfalls eine Beeinträchtigung des Waldlebensraums und eine nicht fachgerechte Praxis ist es, die Rückegassen bei ungünstiger Witterung zu befahren. Nach den Vollzugshinweisen des NLWKN sollen die Waldflächen möglichst nur bei gefrorenem Boden befahren werden. Zumindest müssen die Böden aber soweit trocken sein, dass es nicht zu nachhaltigen Bodenverformungen („Gleisbildungen“) kommt.

Auch diese Regelungen werden in einigen FFH-Gebieten verletzt. Aussagen zu diesem Punkt fehlen in den E+E-Plänen gewöhnlich sowohl bei der Zustandsbeschreibung als auch bei der Planung. Bei der Unterhaltung der auch in FFH-Gebieten zunehmend LKW-fähig ausge-bauten Hauptwaldwege wird vielfach die oberste Schicht (Verschleißschicht) regelmäßig abgeschoben. Statt das Material, wie gefordert werden muss, abzu-fahren, wird es in der Regel in den Wegeseitenräumen verteilt. Diese Bereiche gehören aber meist zu den wichtigsten Teillebensräumen für blütenbesuchende Insekten im Wald und werden so beeinträchtigt und ruderalisiert. Oft haben auch gefährdete Pflanzenarten Vorkommensschwerpunkte in der Nähe der Wege. In den E+E-Plänen fehlt eine Auseinandersetzung mit diesen Beeinträchtigungen. Aus Naturschutzsicht wertvolle Wegeseitenräume werden auch durch die Lage-rung gefällter Stämme entlang der Waldwege beeinträchtigt. Grundsätzlich sollten Holzlager möglichst außerhalb von FFH-Gebieten angelegt werden. Mindestens müssten die E+E-Pläne aber darstellen, in welchen wertvollen Bereichen Holzlager ausgeschlossen sind. Eine solche Darstellung fehlt in allen Fällen. Entwässerungen gehören für feuchte Eichen-Hainbuchenwälder (LRT 9160) zu den wesentlichen Beeinträchtigungen. Trotzdem fehlen meistens wirksame Maßnahmen zur Wiedervernässung.

In Hinblick auf Entwässerungsgräben, die auch Grundstücke entwässern, die sich nicht im Eigentum der NLF befinden, unterstellen die E+E-Pläne, dass keine grundsätzliche Änderung möglich ist. In vielen Fällen können jedoch auch unterhaltungspflichtige Fließgewässer soweit z.B. mit Sohlschwellen aufgestaut werden, dass die Stauwirkung nicht über Flächen der Landesforsten hinausgeht. Es wäre Aufgabe der E+E-Pläne, mögliche Lösungen zumindest soweit auszuloten und vorzubereiten, dass das weitere Vorgehen (z.B. Vorbereitung eines wasserrechtlichen Verfahrens) mit den Beteiligten geklärt und festgehalten werden kann („wer macht was bis wann“). Zu Bächen und Entwässerungsgräben, die nur Flächen der Landesforsten entwässern, sehen die E+E-Pläne in der Regel nur vor, dass sie nicht mehr unterhalten werden sollen. Meistens bleiben Entwässerungsgräben aber auch dann noch wirksam, wenn sie nicht mehr unterhalten werden. Sie müssten deshalb stellenweise verschlossen werden. Solche Maßnahmen sehen die E+E-Pläne aber bis auf wenige Ausnahmen nicht vor. Bei den Maßnahmenplanungen fehlen in der Regel Aussagen zu Beeinträchtigungen des FFH-Gebietes, die von Dritten ausgehen, z.B. unzureichende Regulierung der Wilddichten, Stoffeinträge von angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen oder Emissionen, Störungen und Zerschneidungseffekten von Straßen. Wie bei Entwässerungen sollten die E+E-Pläne auch hier mögliche Lösungen benennen und das weitere Vorgehen abklären.

Arten

Analog zu den meist fehlenden Artenerfassungen fehlen gewöhnlich auch gezielte Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen für Pflanzen- und Tierarten, insbesondere auch für FFH-Anhang-II-Arten, für die das Gebiet ausgewiesen wurde.

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